Stahlberger live im Salzhaus (Konzertreview)

Zuerst einmal stellt sich die Frage: darf man sich an einem heiligen Tag, wie es der Karfreitag ist, bei einem Konzert bespassen?
Meine Mutter würde sagen, wenn es unbedingt sein muss aber gut finde ich das nicht. Ein umgeschulter Pfarrer wäre wahrscheinlich empört. Meinen Freunden und mir spielte der heilige Tag keine Rolle und wenn Jesus höchstpersönlich am Schlagzeug sitzt verschwinden auch die letzten Zweifel.

Wenn Stahlberger in der Stadt spielt muss man als Ostschweizer wohl hin. Das ist seit einigen Jahren Pflicht und man wird meistens nicht enttäuscht. Auf die Frage wann das Konzert beginnt kriegt man nicht die Antwort „foif Minute“ sondern „füf Minute“. Man fühlt sich wohl, da das Publikum meistens gleich spricht wie Stahlberger. Ich habe die Band schon 4 Mal gesehen. Langweilig sagen die Einen. Ich fand das Konzert gestern Abend wieder einmal ein Highlight.

Das erstaunt nicht wenn man sich die Band einmal genauer unter die Lupe nimmt. Zum einen ist da Bit-Tuner am Bass, der schon auf einigen Parties mit seinen elektronisch, sphärischen Sounds für gute Stimmung sorgte. Aber auch Dominik Kesseli, der Jesus am Schlagzeug, vertreibt sich sonst die Zeit mit A Crashed Blackbird Called Rosehip einer weiteren super-tollen-genialen Band aus dem Osten. Der Gitarrist Michael Gallusser ist Musikproduzent und Hobbyfussballer und Bob Dylan, Christian Kesseli betreibt nebenbei eine erfolgreiche Booking Firma.  Und über den Chef, Manuel Stahlberger wissen wir ja schon genug. Aber klar ist, dass die Band Solid ist und weiss worum es geht.

Türöffnung 19:00. Das Konzert begann dann um etwa halb neun. Alles ein bisschen Früh aber eben diese Feiertage.
Der erste Song war eine Wucht. Sphärische Elektro Klänge und ein typischer Manuel Stahlberge Gesang darüber. Aber so elektronisch hat man Stahlberger noch nie erlebt. Geil. Ich fragte mich ob das jetzt doch eher eine Elektro Party werden würde. Aber nein der Rest war Stahlberger in Hochform. Manuel Stahlberger wertete das Set enorm auf mit witzigen Erzählungen zwischen den Songs. Das war bei der letzten Tournee noch anders. Da hatte der Frontman jeweils eher Wortkarg gewirkt.

„Der Name Stahlberger sei der perfekte Name, da sie eigentlich wie die Kelly Family alle den gleichen Nachnamen haben aber doch nicht wirklich Brüder seien aber doch irgendwie Brüder sind.“ erzählt er zu Beginn des Konzerts in Astreinem Ostschweizer Dialekt. In der Mitte des Sets folgt eine Geschichte über die Schulzeit und Farbstifte, welche er immer gekauft hat, jeden Tag, damit die „Kollegen“ sie wieder kaputt machen konnten.

Sie spielten fast alle Songs der neuen Platte „Die Gschicht isch besser“ und die alte Ohrwürmer wie Wanderwetter, Regebogesiedlig, Immer wieder Use, Heimat und Abgehenkt.
So stelle ich mir einen Karfreitag vor. Vielen Dank den Stahlberger’s und dem Salzhaus.

Einziger Wermutstropfen ist, dass es das Vinyl von Gschicht isch besser nach wie vor nicht aus dem Presswerk geschafft hat.
Schade, wäre ein schönes Ostergeschenk gewesen.

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