Pablopolar «Colorize»

Pablopolar melden sich mit ihrem dritten Album «Colorize» zurück und ergänzen das Schweizer Musiklandschafts-Puzzle ein drittes Mal mit einem Teilchen, das in dieser Form kaum eine andere Band liefern kann. Melancholische Popmusik mit vorsichtigen Ein- und grossen Ausbrüchen.

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Pablopolar bleibt Pablopolar

Eines vorweg. Wer mit dieser Band und ihrer Musik bislang noch nicht so richtig warm geworden ist, wird das wohl auch mit der neuen Platte nicht. Die Komfortzone verlassen die Berner auch auf ihrem dritten Album nicht. Auf «Colorize» klingen Pablopolar nicht gross anders als auf dessen Vorgänger «Sleepwalker». Müssen sie aber auch nicht. Dass man mit jedem Album ein Stück von sich selbst neu erfinden muss, ist eine meiner Ansicht nach schwierige und falsche Erwartungshaltung. Innerhalb der eigenen Schublade innovativ zu sein, ist grosse Kunst und eine ziemlich anspruchsvolle Gratwanderung. Die Gefahr, dass man sich zu fest im eigenen, seichten Fahrwasser suhlt und sich wiederholt ist fast omnipräsent. Die fünf Berner nutzen aber den Spielraum ihrer musikalischen Wohlfühlzone wunderbar aus. Auf ihrem neuen Album kommt zu fast keinem Zeitpunkt dieses „das-hab-ich-schonmal-gehört-Gefühl“ auf.

Grosse Momente

Pablopolar sind Meister der angenehm treibenden, aber nicht fordernden Rhythmen, der eleganten Sphären und einnehmenden Melodien. Man höre sich beispielsweise den gleichnamigen Titeltrack des Albums «Colorize» an. Aus einem simplen, mitreissenden Mid-Tempo-Beat wächst ein unglaublich vielschichtiger Song, so gross, dass er eigentlich ins Stadion gehört. Ähnlich verhält sich das auch mit der Nummer «Fm». Ein Song voller Pathos, mit einem (hä-das-kenn-ich-irgendwoher-) Gitarrenriff, das durch Mark und Bein geht. Aber auch hier lassen sich die Berner Zeit, bis sie auspacken, was sie wirklich im Gepäck haben. Pablopolar lassen die Songs wachsen und entlocken ihnen nach und nach Kraft und Emotionen.

Kleine Momente

Emotionen entstehen auf «Colorize» aber nicht nur in grossen Arrangements. Genau so wirkungsvoll sind vergleichsweise kleine Songs wie «Long Distance Call» oder «New Year’s Day». Wo mehr Platz ist wird deutlich, wie viel Ausdruck in den Worten und der unverkennbaren Stimme von Sänger Manuel Kollbrunner steckt. Was aber keinesfall heisst, dass die Stimme sonst nicht auffällt. Im Gegenteil, sie fesselt, hält zusammen und führt mal sanft, mal bestimmt durch das gesamte Album.

 

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Rastloser Musikentdecker, Konzertgänger, Multimediaproduzent, Kulturkonsument, Fraine's Stimme & Gitarre.